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Jahresbericht 2020/21

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde des Förderverein Garden for Education and Healing e.V.,
erneut liegt ein durch die Corona-Pandemie geprägtes Jahr hinter uns, dem Förderverein GEH und insbesondere auch hinter Sister Ann und den Kindern in GEH.
In diesem Bericht wollen wir zunächst einen Rückblick auf das Jahr 2020 werfen und anschließend das vergangene Jahr 2021 betrachten, die aktuelle Situation darstellen und abschließend einen Ausblick auf das kommende Jahr 2022 wagen. Ihr könnt den Bericht als PDF gerne auch über den Button herunterladen. 

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Jahresbericht 2020 und 2021.pdf
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Rückblick auf das Jahr 2020

Wie bereits im letzten Jahresbericht erwähnt, war die politische Situation in Kamerun auch im Jahr 2020 gefährlich und durch den Bürgerkrieg geprägt, der nun schon seit 2016 anhält. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Lage noch verschärft, die Lebensmittelpreise sind gestiegen, die medizinische Versorgung wurde prekärer und der finanzielle Aufwand für die Alltagsversorgung der Kinder immer höher. Wir gehen daher zur besseren Einordnung der Situation in GEH kurz auf ein paar Eckpunkte zur politischen Lage im Jahr 2020 ein und blicken dann auf GEH selbst.

Politische Lage

Im Februar 2020 fanden in Kamerun Parlaments- und Kommunalwahlen statt. Bereits im Vorfeld gab es zahlreiche tödliche Übergriffe auf Zivilisten, sowohl durch Separatisten als auch durch das Militär. Es gab keine Wahlprogramme im Vorfeld der Wahlen, um Inhalte ging es also gar nicht und da ein Großteil der Gesetze sowieso per Präsidialdekret am Parlament vorbei erlassen wird, war auch bereits klar, dass die Wahl eher einer „Farce“ gleichen wird.
Separatistengruppen riefen im Vorfeld der Wahlen in den englischsprachigen Provinzen zum Wahlboykott auf und drohten mit Konsequenzen bei Nichtbeachtung. Der Bevölkerung wurde untersagt, von Wahlen zu sprechen, um die „Unabhängigkeit“ zu betonen, in zahlreichen Wahlkreisen gab es durch die Einschüchterungen im Vorfeld keine Oppositionskandidaten. Mehrere hundert Menschen wurden entführt, Häuser der Oppositionspartei in Brand gesetzt und Kandidaten mit Gewalt an der Aufstellung gehindert. Auch der ehemalige Oppositionsführer der Partei SDF, John Fru Ndi, der Patenonkel von Sister Ann, wurde zweimal entführt in dieser Zeit.

Am Wahltag verhängten bewaffnete Gruppen Ausgangssperren, um den Gang zur Urne zu unterbinden. Die Bevölkerung stand also vor einem Dilemma: Nahmen sie an der Wahl teil, riskierten sie Gewalt durch die Separatisten, blieben sie der Wahl fern, galten sie als Unterstützer der Separatisten in den Augen des Militärs und mussten Konsequenzen durch die Regierung fürchten. Daraus resultierte eine extrem geringe Wahlbeteiligung in den englischsprachigen Provinzen, es wird von 5-10% gesprochen, selbst im ganzen Land waren es nur etwa 30% Wahlbeteiligung.
Die Kinder und Sister Ann schlossen sich während der Wochen vor und nach der Wahlen im Haus ein und wagten es weder, in die Schule zu gehen, noch Essen einzukaufen, um nicht zwischen die Fronten zu geraten.

Eine Woche nach der Wahl kam es in einem Dorf in der Nähe von Bamenda erneut zu einem gewalttätigen Angriff der kamerunischen Armee, bei dem mindestens 21 Zivilisten, darunter 14 Kinder getötet wurden.
Immer wieder wurden wir von Sister Ann im Jahr 2020 über verschiedene Anschläge, Übergriffe durch das Militär, Entführungen, Schießereien und Plünderungen sowie Brandstiftungen informiert, sowohl im Umfeld des Heims als auch bei ihren Verwandten und Bekannten. Über Facebook verbreiteten die Separatisten Videoaufnahmen von öffentlichen Enthauptungen und drohten der Bevölkerung massiv, sodass die Gefahr allgegenwärtig war und ist.
Seit 2016 liegt jeden Montag das komplette öffentliche Leben in Bamenda lahm, ausgerufen als sogenannte „ghost town“ durch die Separatisten. Damit soll als Generalstreik ziviler Ungehorsam demonstriert werden, was sich jedoch auf dem Rücken der Zivilbevölkerung abspielt, da sie von der Ausgangssperre betroffen sind und nur unter Lebensgefahr das Haus verlassen können. Immer wieder gab es im Jahr 2020 auch Wochen, die komplett als „ghost town“ ausgerufen wurden, sodass auch die Kinder keine Chance hatten, die Schule zu besuchen.

Durch die Pandemie und die politischen Unruhen fanden im Jahr 2020 einige Flüchtlinge im Kinderheim Asyl. Im Land selbst sind laut Amnesty International Ende 2020 etwa 60.000 Menschen nach Nigeria geflohen, mehr als 1 Million Menschen in den betroffenen Regionen sind Binnenvertriebene, also innerhalb des Landes auf der Flucht vor Gewalt.

 

Einige haben für einige Zeit Zuflucht in GEH gefunden, da der Platz jedoch knapp wurde und dies auch die Einhaltung der Hygiene in Zeiten der Pandemie erschwerte, wurde versucht, die Flüchtlinge außerhalb des Heims unterzubringen, nachdem sie im Heim medizinisch versorgt werden konnten. Sie wurden jedoch weiterhin so gut es ging unterstützt und mit Lebensmitteln versorgt.

Gesundheit

Sister Ann war bereits 2019 häufiger krank, was sich leider auch 2020 fortsetzte. Sie klagte über Zahnschmerzen und Rückenschmerzen und fiel immer wieder für längere Zeit aus oder konnte nur unter Schmerzen den Alltag bestreiten. Wir konnten ihre Arztrechnungen und einen Krankenhausaufenthalt bezahlen und ihr darüber versichern, wie wichtig es ist, dass sie auch an sich selbst denkt und sich Zeit nimmt, sich zu erholen, da sie nur so den Kindern Mutter und Stütze sein kann. Auch die mentale Herausforderung, die ständige Angst und Sorge um die Kinder und die Ungewissheit, wie sich die Situation entwickelt, waren ihr in vielen Telefonaten und Sprachnachrichten per WhatsApp anzumerken, weshalb es uns wichtig war, regelmäßigen Austausch mit ihr zu pflegen, damit sie ihre Sorgen aussprechen und Rückhalt und Zuversicht zurückgespiegelt bekommen konnte.

Sister Ann setzte im Kinderheim direkt zu Beginn der Pandemie ein Hygiene-Konzept um. An den Ein- und Ausgängen des Heims wurden Eimer mit Wasser und Seifen platziert, das Grundstück durfte nur noch mit Maske betreten werden und sie gab, gemeinsam mit den jungen Erwachsenen im Heim, Hygieneschulungen im gesamten Viertel. Dazu wurde weiter der medizinische Heilgarten im Heim gepflegt und am Laufen gehalten, sodass 2020 keine Covid 19 Fälle auftraten und die Kinder gesund blieben.

Tägliche Versorgung der Grundbedürfnisse

Essen und Wasser waren auch im Jahr 2020 ein schwieriges Thema.
Ein Großteil der Nahrungsmittel für den Eigenbedarf des Kinderheims wird von den Kindern und Sister Ann auf einer Farm angebaut, die etwa 20km entfernt liegt – eine weite und gefährliche Strecke während der Bürgerkriegszeiten, denn dort halten sich die Rebellen auf, sodass es dort häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Separatisten und Militär kommt. Da die Farm daher nicht in der gewohnten Art und Weise bewirtschaftet werden konnte, mussten zusätzliche Nahrungsmittel auf dem Markt eingekauft werden, was bei den gestiegenen Lebensmittelpreisen in der abgeschotteten Region eine große finanzielle Herausforderung darstellte.

Auch das Einkaufen selbst ist gefährlich und oft ist tage- bis wochenlang keine Fahrt in die Stadt möglich, da die „ghost towns“ das gesamte öffentliche Leben lahmlegen.
Wasser war auch im Jahr 2020 wieder ein Problem, die Folgen des Klimawandels sind in Kamerun deutlich zu spüren, die Regenzeiten werden heftiger und die Trockenzeiten länger. Der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter, sodass die Versorgung aller HeimbewohnerInnen mit Wasser aus dem Brunnen oft nicht bis in die Regenzeit hinein möglich ist. Dann muss entweder Wasser aus einem Brunnen im Viertel geholt werden, was zeitweise aber zu gefährlich war, oder Wasser zugekauft werden, was teuer ist.
Im Heim müssen die Kinder unter freiem Himmel essen, da es kein gemeinsames Zimmer mehr gibt, in dem sie sich aufhalten und essen oder gemeinsam in der Regenzeit spielen können, da das Heim Zufluchtsort für viele Menschen geworden ist. 

Dazu kamen erneut Probleme mit der Stromversorgung. Teilweise gab es im Jahr 2020 wochenlang so gut wie keinen Strom im Kinderheim, was nicht nur die Kommunikation schwierig machte, sondern auch die Wassersituation noch prekärer werden ließ. Denn der Brunnen funktioniert derzeit nur mit Hilfe einer elektrischen Pumpe, ist also längere Zeit kein Strom vorhanden und sind die Wassertanks geleert, gibt es kein Wasser auf dem Grundstück.

Schule

In den letzten Jahren blieben die Schulen aufgrund der Ausschreitungen und des sich hochschaukelnden Konflikts teilweise geschlossen und wurden nur zu Prüfungsterminen kurzzeitig geöffnet. Auch im Jahr 2020 wurde dies fortgeführt und auch wenn teilweise kein Unterricht stattfinden konnte, so mussten dennoch Schulgebühren bezahlt werden, um die Chance der Kinder auf einen Abschluss zu erhalten. Trotz der angespannten Situation konnten alle Kinder ihr Schuljahresziel erreichen und wurden in die nächste Klasse versetzt, was uns unter diesen schwierigen Bedingungen besonders freut.
Ende 2020 konnten wir über Cents for help erneut Geld beantragen und bekamen für Schulgebühren 6.000€ zugesprochen. Bei der letzten schriftlichen Mitgliederversammlung hatten wir noch keine Rückmeldung dazu erhalten, kurz vor Weihnachten erhielten wir dann die Zusagen, sodass wir vor Weihnachten noch eine Überweisung nach Kamerun tätigen konnten.

Konfirmation und Taufe

 

Im Juli konnte die Konfirmation und Taufe von 15 Kindern aus dem Heim stattfinden. Wir waren in der Lage, vorab ein wenig Geld für neue Kleidung, Essen und ähnliches zu schicken, sodass trotz der schwierigen Lage ein wenig gemeinsam gefeiert werden konnte.

Wir konnten 2020 insgesamt 30.500€ nach Kamerun überweisen, verteilt auf sieben Überweisungen in kleineren Beträgen, damit sich zwar einerseits die Überweisungsgebühren lohnen, andererseits die Gefahren für Sister Ann aber nicht zu groß sind, wenn große Beträge auf einmal abgehoben werden.
Die Spenden wurden für Schulgebühren, medizinische Versorgung und Behandlungen, Essen und Wasser und die generellen Lebenshaltungskosten eingesetzt.

Von Herzen DANKE, dass ihr immer wieder an die Kinder und den Verein denkt und uns gerade bei den laufenden Kosten der Alltagsversorgung unterstützt.

Jahresbericht 2021 und aktuelle Situation

Nachdem wir über das Vereinsjahr 2020 berichtet haben, wollen wir euch natürlich auch noch einen Einblick in das vergangene Jahr 2021 geben. Auch hier ordnen wir die Situation erst einmal in die politische Lage ein und gehen dann wieder auf die einzelnen Unterpunkte ein.

politische Situation

Die bereits im Bericht für das Jahr 2020 angesprochene, sich verschärfende Situation wird immer konflikthafter und brutaler. Die Nordwestregion Kameruns, in der sich das Kinderheim befindet, ist vom Rest des Landes abgeschottet, die Verbindungsstraße zwischen Bafoussam und Bamenda, die die Halbmillionenstadt Bamenda mit dem Rest des Landes verbindet, gleicht mittlerweile einer Schotterpiste mit badewannengroßen Schlaglöchern, ausgebrannte Fahrzeuge stehen am Straßenrand, die Straße darf nur noch mit einer Militäreskorte zu festgelegten Zeiten befahren werden (laut dem Auswärtigen Amt) und die Übergriffe von Soldaten und von Separatisten auf die Zivilbevölkerung nehmen zu. Entführungen gegen Lösegeld, ganze Dörfer, die niedergebrannt werden, Einschüchterungen, Ermordungen, Angriffe von Separatisten auf Schulen, Kinder die verletzt oder getötet werden und erzwungene Schulschließungen sind an der Tagesordnung.
Und man liest und hört kaum etwas in den Medien. Schon zum zweiten Mal in Folge wurde der Konflikt laut dem norwegischen Flüchtlingsrat (NRC) als meistvergessene Krise der Welt eingestuft.

Im August wurde der Konflikt in der Tagesschau einmal erwähnt. Im September diesen Jahres gab es mehr als drei Wochen lang eine „ghost town“ und damit verbunden ein komplettes Ausgangsverbot. Weder Autos noch Motorräder oder gar Krankenwägen durften fahren, der Strom wurde abgestellt, es gab Überfälle auf Zivilisten, Schießereien zwischen Militär und Separatisten, Häuser wurden angezündet und Plünderungen fanden statt. Im Oktober war das Militär erneut in GEH und durchsuchte schwer bewaffnet das gesamte Gelände und hinterließ Panik und Angst bei den Kindern und Sister Ann. Im Viertel wurden zu dieser Zeit einige Menschen getötet.
Wer sich für die aktuelle Lage näher interessiert, kann hier den Konfliktverlauf sehr gut nachlesen: Im September diesen Jahres gab es mehr als drei Wochen lang eine „ghost town“ und damit verbunden ein komplettes Ausgangsverbot. Weder Autos noch Motorräder oder gar Krankenwägen durften fahren, der Strom wurde abgestellt, es gab Überfälle auf Zivilisten, Schießereien zwischen Militär und Separatisten, Häuser wurden angezündet und Plünderungen fanden statt. Im Oktober war das Militär erneut in GEH und durchsuchte schwer bewaffnet das gesamte Gelände und hinterließ Panik und Angst bei den Kindern und Sister Ann. Im Viertel wurden zu dieser Zeit einige Menschen getötet.
Wer sich für die aktuelle Lage näher interessiert, kann hier den Konfliktverlauf sehr gut nachlesen: Konflikt. 

Feuer im Heim IM FEbruar

Anfang Februar 2021 wurde in der Nachbarschaft des Kinderheims Feuer gelegt, vermutlich in der Absicht den Kindern zu schaden.
Glücklicherweise sind alle unverletzt, das Feuer hat sich aber dank der Trockenzeit in Windeseile durch das Grundstück gefressen und hat auf seinem Weg nicht nur Bäume und angepflanzte Nahrungsmittel der Kinder vernichtet, sondern auch Hühner, Gänse und andere Vögel getötet. Dabei kam es auch gefährlich nahe an ein Wohngebäude heran, sodass dort nicht nur die Regenrinnen schmolzen, sondern auch Kleider der Kinder, die auf dem Balkon in einem Schrank untergebracht waren, verbrannten.

Das Feuer wurde nach insgesamt zwei Tagen erfolgreich bekämpft, alle Kinder des Heims, Nachbarn und freiwillige Helfer arbeiteten zusammen, um größere Schäden durch den Einsatz dürftig vorhandenen Wassers, Sand und Erde zu verhindern. Durch die Trockenheit und den Wind war es ein schwieriges Unterfangen.

Wir konnten schnell einige Spenden zusammen bekommen und 2500€ Soforthilfe überweisen, um die Kleidung der Kinder zu ersetzen, die Essensvorräte aufzustocken, die Schäden zu beseitigen und Wasser zu kaufen. Denn durch die Rettung des Hauses wurde das gesamte Wasser aus dem Brunnen aufgebraucht, sodass bis Ende März, als dann endlich der erste Regen fiel, Wasser zugekauft werden musste.

Wir sind froh, dass nicht mehr passiert ist und keiner verletzt wurde.

Kamerun gehört zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern in Afrika. Viele im Umfeld von Sister Anns Verwandtschaft sind in diesem Jahr gestorben, sowohl an den Folgen von Covid 19 als auch durch die politischen Unruhen und Unfälle. Das hat sie psychisch natürlich zusätzlich zur bereits angespannten Lage und der großen Verantwortung sehr mitgenommen. Auch in diesem Jahr haben wir daher wieder großen Wert darauf gelegt, sie so weit uns dies möglich ist zu entlasten, ihr Gespräche anzubieten und ihr zu versichern, dass wir als Verein da sind und Hilfe leisten, wo es möglich ist.
Einige Kinder erkrankten dieses Jahr an Covid 19, einer der älteren Jugendlichen musste ein paar Tage im Krankenhaus verbringen, da es ihm wirklich schlecht ging. Er erholte sich aber vollständig, hier konnten wir die Krankenhausgebühren übernehmen. Insgesamt haben wir in diesem Jahr viele Spenden für die medizinische Versorgung nach Kamerun geschickt. Das Virus hat das Land fest im Griff, es wird kaum getestet, die hygienischen Bedingungen sind natürlich ganz andere als in Europa und die Impfquote beträgt derzeit nur 2,2%.

Viele Gesundheitseinrichtungen in Bamenda sind zerstört oder wurden geschlossen, im Sommer 2021 wurden auch die Ärzte ohne Grenzen aus der Region abgezogen, da ihre Arbeit von den Behörden untersagt wurde. Dadurch hat sich die Situation weiter verschlimmert.
Sister Anns Gesundheitszustand war auch 2021 leider nicht besser. Sie war immer wieder krank und klagte wie auch 2020 über Schmerzen. Im Juni verletzte sie sich am Auge und entwickelte dadurch eine langanhaltende Infektion mit Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, die Behandlungen schlugen zunächst alle nicht an.

Im Oktober hatte sie einen Autounfall, ein anderes Auto rammte sie und sie zog sich eine Verletzung am Kopf zu. Sie verlor einige Zähne, musste ins Krankenhaus und bis heute viele Untersuchungen über sich ergehen lassen, da sie immer wieder unerklärliche Schmerzen hatte. Hierfür schickten wir im Oktober Geld, um ihre Krankenhausrechnung zu bezahlen und das Leben im Haus am Laufen zu halten.

Sie kann nun mit einem Zahnersatz versorgt werden und zuletzt schrieb sie, dass die Behandlungen langsam Wirkung zeigen würden, sodass es ihr nach und nach besser gehe.
Darüber sind wir sehr erleichtert.
Diese Situation zeigt uns einmal mehr, wie sehr unsere Unterstützung davon abhängt, dass wir sie als unsere Kontaktperson haben und hat auch ihr aufgezeigt, worüber wir seit Jahren im Gespräch sind, nämlich dass langfristig eine Unterstützung und Nachfolgerin eingearbeitet werden muss, damit das Projekt GEH auch dann Bestand hat, wenn sie einmal eine Auszeit benötigt.
Derzeit sind alle im Haus, schon seit recht langer Zeit, von einem hartnäckigen Husten befallen

Tägliche Versorgung der Grundbedürfnisse

Auch 2021 war ein wichtiger Fokus, alle BewohnerInnen des Heims mit Nahrung und Trinkwasser zu versorgen. Aktuell leben 53 Kinder im Heim, dazu kommen zwei, zeitweise drei Frauen, die im Alltag mit den Kindern helfen, kochen und waschen und dafür teilweise im Heim wohnen können. Sie erhalten etwa 50€ pro Monat für ihre Mithilfe und ernähren damit ihre eigene Familie.
Durch die „ghost towns“ ist bereits das Einkaufen der Lebensmittel sehr gefährlich, jeder Marktbesuch ist mit Gefahren verbunden. Zuletzt informierte uns Sister Ann, dass die finanziellen Mittel so knapp seien, dass sie derzeit mit nur 0,40€ pro Kind pro Tag auskommen müssten. Seit Wochen gebe es für die Kinder daher nur eine Mahlzeit pro Tag, die dazu noch sehr gestreckt werden müsse.

Für drei Mahlzeiten am Tag werden normalerweise etwa 3€ pro Person pro Tag nötig, also etwa 180-200€ pro Tag für das gesamte Haus.
Wir besprachen mit ihr, dass das leider derzeit unsere Kapazitäten übersteigt, da ja auch noch die Bezahlung der Schulgebühren offen war, einigten uns aber darauf, dass wir sicherstellen, dass bis Ende des Jahres wenigstens zwei Mahlzeiten pro Tag möglich sind. Dafür haben wir zuletzt 5.000€ überweisen können. Etwa 25.000 Euro pro Halbjahr wären jedoch eigentlich nötig, um die Grundbedürfnisse wie Nahrung, Trinkwasser und medizinische Versorgung sicherzustellen, Schulgebühren sind davon ausgenommen.

Diebstahl der beiden Autos

Am 6. August, ausgerechnet am Geburtstag von Sister Ann, war sie mit einigen der älteren Kinder auf der Farm in Bambui, um so viele Lebensmittel wie möglich zu ernten. Zwar war bereits die Fahrt dorthin gefährlich, wie im Jahresbericht 2020 schon berichtet, da die Ernte aber für einige Wochen Essen gesichert hätte, wagten sie es dennoch. Während sie auf der Farm das Gemüse ernteten, wurden beide Autos sowie die sich darin befindlichen Handys von Rebellen gestohlen.
Glücklicherweise passierte ihnen selbst nichts, auch auf dem gefährlichen Rückweg nicht, da sie nun fast den gesamten Weg zu Fuß gehen mussten, da sie kaum Geld für Taxen dabei hatten. Dass sie auf dem Weg nicht überfallen wurden, gleicht in dieser Region beinahe einem kleinen Wunder, erst spät in der Nacht kamen sie völlig erschöpft an. Auch im Haus waren alle voller Sorge, da sie ja aufgrund der gestohlenen Handys nicht Bescheid geben konnten, was geschehen war.
Nun ist derzeit nur noch ein kleines, kaum fahrtüchtiges Auto in GEH, eine Fahrt zur Farm war natürlich nicht mehr denkbar, sodass das angepflanzte Gemüse dort nun kaputt gegangen ist, was in der gegenwärtigen Situation natürlich besonders schmerzt.
Außerdem können die Kinder nun nicht mehr mit dem Auto in die Schule gefahren werden und müssen den Weg zu Fuß oder mit dem Taxi auf sich nehmen, wenn die Schule geöffnet ist, was weitaus gefährlicher ist. Vor ein paar Tagen wurden die Autos entdeckt im Viertel, sie sind allerdings so kaputt und „ausgeschlachtet“ worden, dass sie nicht mehr repariert werden können.

Schule

Der Schulweg stellt im Alltag oft eine Schwierigkeit dar, oftmals ziehen sich die Kinder erst direkt vor der Schule um, da sie Angriffe und Entführungen der Rebellen fürchten, wenn sie in Schuluniform durch die Stadt gehen.

Wir konnten auch in diesem Jahr wieder einige Schulgebühren überweisen, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, an Prüfungen teilzunehmen und wann immer die Schule geöffnet ist, auch den Unterricht zu besuchen. Für ein gesamtes Schuljahr sind dies etwa 28.000€ für alle Kinder, was wir in diesem Jahr nicht stemmen konnten, da auch die Lebenshaltungskosten ja finanziert werden mussten. Sister Ann leistete immer Anzahlungen, um einen Schulstart zu ermöglichen und verhandelte immer wieder mit den Lehrern und Schulleitern, um Aufschübe zu bekommen. Ende des Jahres konnten wir nun dafür sorgen, dass alle Kinder ihre Prüfungen schreiben konnten, die Gebühren sind jedoch noch nicht vollständig bezahlt, denn weitere knappe 6000 € im Jahr würden für die Kinder dazu kommen, die im Internat untergebracht sind, um dort konzentriert ihren Schulabschluss zu machen.

Zusätzlich versuchen wir, „Home Classes“ zu finanzieren, indem wir Lehrer bezahlen, die an den Tagen, an denen die Schule nicht stattfinden kann, da es zu gefährlich ist, sich in die Stadt zu wagen, die Kinder im Heim unterrichten. Pro Lehrer sind das 100€ im Monat, drei Lehrer waren immer wieder wechselnd angestellt.

Die Schulgebühren stellen unseren kleinen Verein vor eine große Herausforderung. Neben den immer weiter ansteigenden Lebenshaltungskosten auch die Schulgebühren in voller Höhe bereitstellen zu können, ist uns momentan nicht möglich.

Im Juli konnten wir für 20 Kinder die Ausstellung von Geburtsurkunden bezahlen, die Voraussetzung für eine Schulanmeldung sind. Das kostet nun natürlich noch mehr als es vor der politischen Eskalation kostete und bereits damals war es dank der Korruption teuer. Da an den Urkunden aber kein Weg vorbei führt, waren wir froh, als das geglückt war.

Insgesamt konnten wir im Jahr 2021 bis zum heutigen Tag 29.500 Euro, erneut in sieben Einzelüberweisungen, an Sister Ann überweisen. Wie auch im vorherigen Jahr wurde es insbesondere für medizinische Versorgung, Schulgebühren, Essen und Wasser und die Aufrechterhaltung des alltäglichen Lebens ausgegeben.
Wir planen Ende des Jahres noch einmal eine Überweisung zu tätigen.
Besonders freuen wir uns über die so großartig funktionierende Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern und FreundInnen in der Schweiz, die über lifevest nun ihre Spenden sammeln und von Samuel Stillhard, unserem Vorstandsmitglied, koordiniert werden. So können wir flexibel und schnell in unserem Vorstandschat absprechen, wie die finanzielle Situation derzeit aussieht und wann welche Unterstützung möglich ist. Größere Beträge aus der Schweiz tragen daher maßgeblich zur gemeinsamen Arbeit in GEH bei, vielen Dank für diese tolle Zusammenarbeit!

Über diesen Link könnt ihr Videos anschauen, wie die Zerstörung nach dem Brand aussah (Ordner Brand), ihr bekommt einen Einblick in die aktuelle Situation in GEH (Ordner aktuelle Situation) und könnt auch den Zaunbau noch einmal anschauen, mit dem wir fast komplett fertig sind, der aber derzeit aufgrund der notwendigeren Versorgung der Grundbedürfnisse erst einmal zurückgestellt wurden (Ordner Zaunbau): Videos.

Ausblick

In den letzten Tagen erreichten uns schreckliche Nachrichten aus Kamerun. Bamenda brennt, überall wurden durch das Militär, so die Aussagen von Sister Ann, Feuer gelegt, Häuser niedergebrannt und es gibt Schießereien auf der Straße. 

Keiner macht mehr ein Auge zu, das Feuer hat mittlerweile das Viertel erreicht, Schießereien sind immer wieder zu hören.
Wir beobachten die Situation und sind in engem Austausch mit Sister Ann. Einen Eindruck der Situation könnt ihr euch ebenfalls über den oben genannten Link zu den Videos verschaffen, wenn ihr mögt.

Durch die Corona-Situation, durch die viele andere Vereine in finanzielle Nöte kamen und auch viele Privatpersonen finanzielle Verluste hatten, merken wir einen Rückgang von „neu zu akquirierenden“ Spendern in den letzten beiden Jahren.

Dass eure Spendenbereitschaft im Verein und dem Umfeld des Vereins weiterhin so hoch und zuverlässig war, freut uns daher umso mehr.
Wir sind sehr dankbar über ein so festes Unterstützernetzwerk und stolz, dass wir trotz dieser Situation innerhalb von 2 Jahren 60.000€ nach Kamerun schicken konnten.
Wie ihr im Bericht gesehen habt, ist das leider nicht ausreichend, um sowohl Schulgebühren als auch das tägliche Überleben abzusichern. Weitere Projekte sind derzeit daher gar nicht denkbar, obwohl wir aus der Erfahrung wissen, dass bei „konkreteren“ Projekten wie der Installation von Solarpaneels, dem Kauf eines Stromgenerators oder dem Bau eines zweiten Brunnens, dem Kauf einer leistungsfähigeren Pumpe für den bestehenden Brunnen, weitere Wassertanks, dem Kauf eines Autos oder ähnlichen Projekten die Spendenbereitschaft oft größer ist, da das Projekt „greifbarer“ wirkt als das „tägliche Überleben“.
Daher sind diese Projekte auch weiterhin natürlich nur aufgeschoben und werden möglicherweise im nächsten Jahr bei der Mitgliederversammlung diskutiert.

Generell ist das Sammeln von Spenden für die Alltagssicherung der Kinder sowie die Schulbildung auf jeden Fall das zentrales Thema für das Jahr 2022. Um die steigenden finanziellen Anforderungen meistern zu können, müssen wir als Verein Möglichkeiten finden, auch an größere Spenden zu kommen. Wenn ihr hierfür Ideen oder Vorschläge habt, sind wir über eine Kontaktaufnahme zu uns sehr dankbar. 

Ansonsten bleibt uns zu hoffen, dass sich sowohl die politische Situation als auch die Corona Pandemie nicht weiter verschlechtern und das Leben für die BewohnerInnen des Kinderheims somit wieder etwas einfacher wird.

Danke

Als Ausblick hier bei uns in Deutschland und der Schweiz, bleibt uns vor allem ein großes Dankeschön an euch auszusprechen, die ihr durch eure Gedanken, Gebete oder Spenden diesen Verein mittragt und euren Beitrag zu einem besseren Leben in GEH leistet. Trotz unserer kleinen Mitgliederzahl konnten wir in den vergangenen Jahren schon richtig viel erreichen, wofür wir und die BewohnerInnen in GEH sehr dankbar sind.

Wir wünschen euch und euren Familien, dass ihr wohlbehalten durch diese schwierige Coronazeit kommt und ihr einen behüteten Ausklang des Jahres und eine schöne Advents- und Weihnachtszeit habt.
Bleibt gesund!

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