Mit diesem Bericht möchten wir Dir einen kleinen Überblick über das Jahr 2023 im Garden for Education and Healing (GEH) in Kamerun und im Förderverein GEH e.V. geben. Gerne kannst du diesen Bericht auch einfach als PDF herunterladen.
Im Februar 2023 kam es auf dem Gelände des Kinderheims erneut zu einem „wildfire“, das sich durch einen starken Wind schnell ausbreitete. Glücklicherweise wurde niemand verletzt und die Gebäude nahmen keinen Schaden, viele neu gepflanzte Bäume brannten jedoch ab.
Im März 2023 war, trotz aller Investitionen in die Wasserversorgung in den letzten Jahren, kein Wasser mehr im Kinderheim verfügbar. Die Regenzeit kommt nicht mehr so zuverlässig wie früher, sodass noch keine Regenfälle den Grundwasserspiegel anheben konnten.
Die vorhandene Wasserpumpe war nicht leistungsfähig genug, um die letzten Reserven aus der Tiefe zu pumpen und eine unzuverlässige Stromspannung und ständige Stromausfälle verhinderten zusätzlich, dass Wasser im Tank gespeichert werden konnte. Dazu kam erschwerend hinzu, dass sich zu viele Menschen unkontrolliert an den Wasserreserven bedienen konnten. Insbesondere Militärs aus der Umgebung verschafften sich Zutritt zum Gelände und konnten auch durch den Zaun nicht aufgehalten werden. Das führte immer wieder zu Konflikten und zu Anspannungen sowie Ängsten bei den Kindern.
Gemeinsam mit Sister Ann diskutierten wir mögliche Lösungsansätze und kamen überein, folgenden Versuch zu wagen und zu finanzieren: Vor dem Gelände entlang des Zauns wurden drei Wasserhähne mit Zuleitung installiert, sodass nun kontrolliert werden kann, wieviel Wasser von Militärs und Nachbarn entnommen wird und diese keinen Grund mehr haben, sich Zutritt zum Gelände zu verschaffen. Zusätzlich wurden ein Spannungsstabilisator und eine neue, leistungsfähigere Pumpe gekauft, um noch tiefere Wasservorräte zu erreichen. Der Plan gelang: Solange Strom vorhanden ist, kann nun Wasser in die großen Tanks gepumpt werden, um so auch während Stromausfall-Zeiten Wasser zur Verfügung zu haben. Die Kinder fühlen sich seither wieder sicherer und durch den neu gebauten Zaun geschützter, da dieser nun wieder respektiert wird.
Im April veröffentlichte Geraldine, eine der ältesten ehemaligen Kinder des Heims, ein Buch mit Gedichten und Geschichten (alte afrikanische Geschichten neu erzählt), was groß gefeiert wurde.
An Ostern konnten wir Sister Ann bei der Recherche helfen, wie sie mit natürlichen Farben aus dem Garten mit den Kindern zusammen Eier färben kann. Die Färbe-Aktion war dann ein voller Erfolg, was für ein schönes Gemeinschaftsgefühl sorgte
Im Juni starb der Patenonkel von Sister Ann, der ehemalige Oppositionsführer und langjährige Gegner des kamerunischen Präsidenten Ni John Fru Ndi mit 81 Jahren. Sister Ann nahm
dies sehr mit, gleichzeitig mussten die Beerdigung und weitere Feierlichkeiten organisiert werden, wodurch politische Aufmerksamkeit auch auf das Heim gelenkt wurde. Diese Zeit war von
Unsicherheiten und politischen Unruhen gekennzeichnet.
Ebenfalls im Juni gab es eine große Baumpflanzaktion, bei der jedes Kind einen Baum auf dem Gelände pflanzen durfte.
Das gesamte Jahr über gab es immer wieder Drohungen gegen Lehrer (von Seiten der Regierung und von Seiten der Separatisten), sodass nur unregelmäßig Unterricht stattfinden konnte. Fand er statt, so waren die Klassenzimmer überfüllt und die Schulen schlecht ausgestattet.
Umso wichtiger waren und sind die vier HeimlehrerInnen, die wir für die Kinder engagieren konnten. Sie wiederholen mit den Kindern den Stoff zu Hause, geben Unterricht, wenn die Schule ausfällt und erklären und nehmen den Stoff durch, der den Kindern sonst fehlt. Hausaufgabenbetreuung und individuelle Nachhilfe kann so ebenfalls stattfinden. All dies führte dazu, dass alle Kinder das Schuljahr 22/23 erfolgreich abschließen konnten, teilweise mit tollen Noten. Diese wurde am 6. August, an Sister Anns Geburtstag, gemeinsam gefeiert
Im September, direkt zu Schulbeginn, war die gesamte Stadt zwei Wochen lang im „ghost town“-Modus, was bedeutet, dass keiner das Haus verlassen kann. Wer von Separatisten auf der Straße gesehen wird, läuft dann Gefahr, erschossen zu werden, weshalb das gesamte öffentliche Leben lahm liegt.
Auch das erste Schulhalbjahr 2023 lief erfolgreich an. Aktuell gehen 7 Kinder auf die Universität, 15 Kinder in die Sekundarstufe (5 davon sind im Internat untergebracht, da dies sicherer ist) und 38 Kinder besuchen die Grundschule.
Im August konnten 20 Kinder in einer kleinen Feier getauft und konfirmiert werden. Die Feierlichkeiten konnten sogar in der Kirche in Bamenda stattfinden und waren eine schöne Abwechslung vom Alltag für alle.
Im Oktober begannen Stromrationierungen in den Regionen Nord- und Südwest – also den Konfliktregionen, in denen sich auch das Heim befindet. Alle sechs Stunden kam es zu geplanten rotierenden Ausfällen, was zu erheblichen organisatorischen Schwierigkeiten im Alltag führte.
Gesundheitlich war das Jahr 2023 von einigen Krankheitsfällen geprägt, insbesondere Sister Ann machte uns immer wieder Sorgen. Nachdem wir Ende 2022 in der Mitgliederversammlung beschlossen
hatten, ihr gezielt Geld für ihre Behandlung zu schicken, konnte sie Anfang 2023 ihre Zähne behandeln lassen und beim Augenarzt eine neue Brille erhalten.
Im Sommer wurde sie mit einer Fettleber und einem Calciummangel diagnostiziert, auch hier konnten wir ihre Behandlung übernehmen und sie befindet sich
auf dem Weg der Besserung. Dennoch klagte sie im Verlaufe des gesamten Jahres immer wieder über Migräne und Stress und die Sorgen, die sie durch die politische
Situation, die ungewisse Zukunft und die finanzielle Belastung hat. Wir versuchen ihr Hoffnung zu geben, zuzuhören und auf die jeweils dringendsten Bedürfnisse im Rahmen unserer Möglichkeiten
einzugehen.
Bei den Kindern im Heim gab es im Jahr 2023 keine schweren Krankheitsfälle, worüber wir sehr dankbar sind. Lediglich in der sehr lange anhaltenden Trockenzeit litten viele Kinder unter anhaltendem Husten durch den vielen Staub.
Im Juni fand ein einwöchiges Seminar im Kinderheim statt, das von einer Pastorin geleitet wurde, die in Traumaarbeit ausgebildet ist. Die Kinder erhielten mehrere Einzelgespräche
mit ihr und im Nachgang des Seminars konnte Sister Ann einige positive Veränderungen bei den Kindern beobachten.
Im Juli gab es ein Seminar über natürliche Medizin (Anamed) im Heim, zu dem mehrere Teilnehmende aus Nigeria sowie Ärzte aus Kamerun anreisten. Ergänzt wurde das Seminar durch
TeilnehmerInnen aus dem Heim, die als Geflüchtete dort gerade untergekommen sind.
Im Juli starb eine Frau an Brustkrebs, die mehrere Monate in GEH lebte und dort gepflegt und versorgt wurde.
Politisch gilt der Konflikt in Kamerun nach wie vor als einer der meistvergessenen Konflikte der Welt. Dieser wird zusätzlich verschärft durch
Flüchtlinge aus Nigeria, der Zentralafrikanischen Republik und dem Tschad sowie der Bedrohung durch Boko Haram im Norden Kameruns und den dadurch mehr als eine halbe Million
Binnenflüchtlinge aus dem Norden. Auch im Kinderheim sind einige Binnenflüchtlinge (IDPs, internally displaced people) untergebracht, insbesondere junge Mütter mit ihren Kindern.
Diese halten nun regelmäßige Treffen im Heim ab, um sich gegenseitig zu unterstützen und einander finanzielle Mikrokredite zu gewähren für den Aufbau eines kleinen Unternehmens.
Begleitet werden sie dabei von Sister Ann.
In der Region finden weiterhin willkürliche Verhaftungen statt, Brandstiftungen von Militär und Separatisten, Vergewaltigungen und Morde sowie Entführungen von Journalisten und
Schulkindern. Im November wurden 20 Menschen inkl. Kindern in einem Dorf in der Nähe des Heims erschossen, es wird offiziell von mehr als 12.000 Toten durch den Konflikt ausgegangen, die
Dunkelziffern liegen vermutlich deutlich höher. Mehr als 4 Millionen Menschen sind in dieser Region auf Hilfe angewiesen, mehr als 1 Million Kinder können nicht zur Schule gehen. Wir sind daher
sehr dankbar, dass wir es derzeit ermöglichen können, die Heimlehrer zu finanzieren und den Kindern dadurch weiterhin eine Zukunftsaussicht zu bieten.
An Weihnachten kam es über eine Stunde lang zu Schießereien in der Nachbarschaft des Heims, in Bamenda selbst kam es zu Explosionen und Bränden, eine „ghost town“ wurde ausgerufen. Dennoch konnten die Kinder gemeinsam feiern.
Nachdem wir in der Mitgliederversammlung 2022 besprochen hatten, das Thema „Strom und erneuerbare Energien“ im Kinderheim genauer zu betrachten, um zu sehen, ob hier realisierbare Möglichkeiten vorliegen oder nicht, konnten wir Kontakt zu fairPla.net herstellen, einer internationalen Energiegenossenschaft für Klima, Energie und Entwicklung (Danke an Rainer Wiertz für die Kontaktvermittlung!).
Nach Telefonaten und Zoom-Video-Calls können wir festhalten, dass in der Theorie eine Solaranlage für das Kinderheim denkbar wäre, auch ein gesondertes Modul für die Wasserpumpe wäre umsetzbar. Die Kosten würden sich vermutlich eher im vier- als im fünfstelligen Bereich befinden, je nach Größe der benötigten Solarhubs. FairPla.net könnte den Verein mit Fachwissen und Kooperationen unterstützen, wir als Verein würden das Projekt finanziell und organisatorisch umsetzen.
Leider gestaltete sich bislang die Suche nach geeigneten Fachfirmen in Kamerun als schwierig, was jedoch eine Voraussetzung für die Umsetzung eines solchen Projektes ist, um auch nachhaltig eine
Wartung und Instandhaltung garantieren zu können.
Derzeit ist außerdem noch unklar, inwiefern ein solches Projekt in der aktuellen politischen Lage überhaupt sinnvoll umsetzbar wäre, ob Plünderungen der Solarhubs zu befürchten
wären und ob durch die Montage solcher Hubs nicht zu viel Aufmerksamkeit auf das Heim gelenkt wird, was gefährlich werden könnte. Wir wägen hier also noch die Risiken ab, informieren uns
weiterhin zu allen technischen und organisatorischen Details und behalten – so der Konsens in der Mitgliederversammlung 2023- das Thema weiterhin im Blick, konzentrieren uns aber zunächst auf
andere Dinge
Da in Kamerun die Lebenshaltungskosten extrem gestiegen sind (die Preise haben sich teilweise verdreifacht und die Farm ist nach wie vor nicht zu erreichen, da sie sich in
Rebellengebiet befindet), sind die laufenden Kosten für den Alltag sehr hoch. Neben Essen und weiteren Lebenshaltungskosten sind fünf Frauen angestellt, die im Haushalt helfen
(waschen, kochen, putzen, die „Nicht-Schul-Kinder“ beaufsichtigen etc.). Dazu kommen die vier Heimlehrer sowie ein Fahrer, der die 48 Kinder, die täglich zu den Schulen gefahren werden müssen
(die ganze Strecke zu Fuß ist zu gefährlich), morgens bringt und nachmittags wieder abholt.
Die Kosten für den Lohn dieser 10 Personen belaufen sich pro Monat auf etwa 1250€.
Das Auto, das für die Fahrten genutzt wird, ist nach wie vor sehr teuer im Unterhalt und kann irgendwann vermutlich kaum mehr repariert werden, sodass wir auch hier weiterhin über die
Finanzierung eines „neuen“ Autos nachdenken. Ein größerer Bus, bei dem die Ersatzteile aber nicht zu teuer sind und der vor Ort im besten Fall erworben werden kann, ist derzeit aufgrund der
extrem hohen Preise kaum finanzierbar. Auch sollte der Raum, in dem die Kinder immer gemeinsam essen, fertig gestellt werden, was jedoch Summen im fünfstelligen Bereich bedeutet.
In der Mitgliederversammlung 2023 haben wir daher einstimmig beschlossen, zunächst die laufenden Kosten wie Schulgebühren, Lohnkosten, Essen und medizinische Kosten zu
tragen und größere Projekte noch hinten anzustellen, solange die Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden konnten.
Denn alleine für die Schulgebühren fallen pro Schuljahr für alle 48 Kinder derzeit etwa 28.000€ an, die „Kinder“ auf der Universität benötigen zusätzlich mehr als 8.000€ pro Jahr, da hier noch
für den Unterhalt vor Ort gesorgt werden muss. Da zusätzlich die Lebenshaltungskosten so gestiegen sind, dass die tägliche Versorgung mit 2 Mahlzeiten teilweise kaum möglich war im vergangenen
Jahr, musste Sister Ann über das Jahr verteilt immer wieder Schulden bei den örtlichen Händlern machen, um alle über die Runden zu bekommen. Denn pro Tag kommen hier Kosten von mind. 200€
zusammen.
Derzeit sind etwa 2300€ Schulden für Essen offen, für Schulgebühren müssen noch gute 8.000€ bezahlt werden, um das letzte Halbjahr auszugleichen.
Wir werden daher Stück für Stück die Schulden begleichen und parallel die laufenden Kosten für Schule und Lebenshaltungskosten bezahlen, um Sister Ann etwas zu entlasten – auch
mental. Wir erhoffen uns dadurch auch, dass mit dem Begleichen der Schulden bei Schule und Händlern ein positiveres Gefühl bei ihr entsteht und sie weniger Druck von allen Seiten
verspürt
Größere Projekte möchten wir erst dann angehen, wenn wir diese Grundlagen finanzieren konnten.
Im Jahr 2022 konnten wir gute 33.800€ nach Kamerun schicken und sind dabei sehr dankbar, dass wir auch durch unsere Mitglieder und Freunde und Freundinnen in der Schweiz über lifevest die
Möglichkeit haben, noch enger an einem Strang zu ziehen. Danke für diese großartige Zusammenarbeit!
2023 konnten wir sogar über 40.000€ Spenden verzeichnen.
Von Herzen Danke für Deine Unterstützung!
In der Mitgliederversammlung 2023 wurden außerdem Peter Flütsch, Samuel Stillhard und Michael Büchele erneut für weitere vier Jahre als Beisitzer gewählt. Wir bedanken uns von Herzen für die Unterstützung in den vergangenen vier Jahren und freuen uns sehr, dass sie uns auch in den kommenden vier Jahren erhalten bleiben.
Wir sind gespannt, was das Jahr 2024 bringt und hoffen auf etwas stabilere politische Verhältnisse und die Möglichkeit, den Alltag und die Schulbildung der Kinder finanzieren zu können.
Durch Deine Hilfe ist es uns möglich, nun schon im elften Jahr für die Kinder im kamerunischen Kinderheim da zu sein, ihnen Sicherheit zu vermitteln und eine Zukunftsaussicht zu schenken. Nur
durch Deine Unterstützung und durch das Mittragen, emotional, finanziell und gedanklich, können wir als Verein verlässlicher Ansprechpartner für Sister Ann und die Kinder in GEH sein.
Vielen Dank dafür!

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